Der heutige Handelsblatt-Artikel „Beyond the Obvious: Die Wirtschaftsschwäche Europas hat fatale geopolitische Konsequenzen“ beschreibt mit ungewöhnlicher Schärfe eine Blamage der Europäischen Union bei den jüngsten Zollverhandlungen mit den USA unter Präsident Donald Trump. Obwohl die EU in der Summe ein größeres ökonomisches Gewicht besitzt, musste sie schlechtere Konditionen akzeptieren als das Vereinigte Königreich – und das, obwohl London durch den Brexit eigentlich geschwächt ist. Für Brüssel ist es ein doppelter Gesichtsverlust: nicht nur im Vergleich zu den Briten, sondern auch, weil die Schweiz sogar noch härter getroffen wurde und dieser minimale Trost nichts am Bild einer strukturellen Schwäche ändert.

Das wirtschaftliche Ungleichgewicht zwischen Europa und den USA, so der Artikel, ist keine Momentaufnahme, sondern das Resultat einer langen Entwicklung. Vor rund 25 Jahren lagen Frankreich und Deutschland beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf noch auf dem Niveau mittlerer US-Bundesstaaten – Frankreich entsprach 2000 etwa dem 36., Deutschland sogar dem 31. Rang in den Vereinigten Staaten. Heute liegt Frankreichs Pro-Kopf-Einkommen bereits unter dem von Arkansas, einem der ärmsten Bundesstaaten Amerikas, und Deutschland hat das Niveau von Oklahoma erreicht. Die Autoren des European Center for International Political Economy rechnen vor, dass die Wohlstandslücke bis 2035 so groß sein könnte wie heute der Unterschied zwischen einem durchschnittlichen Europäer und einem Inder.

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Dr. Daniel Stelter ist ein deutscher Ökonom, Strategieberater und Publizist, der vor allem für seine kritischen Analysen zur Wirtschafts- und Finanzpolitik bekannt ist. Er war viele Jahre Partner bei der Boston Consulting Group und leitete dort den Bereich „Corporate Development“. 2013 gründete er die Denkfabrik beyond the obvious, die sich mit globalen wirtschaftlichen Trends und strategischen Zukunftsfragen beschäftigt.

Stelter ist Autor mehrerer Bücher, in denen er wiederholt vor der Überschuldung westlicher Staaten und der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit Europas warnt. Er tritt häufig in Talkshows und Wirtschaftssendungen auf und gilt als pointierter, aber faktenorientierter Kommentator. In seinen Kolumnen im Handelsblatt verbindet er aktuelle politische Ereignisse mit langfristigen ökonomischen Entwicklungen. Er argumentiert oft, dass Europa strukturell unterinvestiert, zu bürokratisch ist und die Chancen der Globalisierung unzureichend nutzt.

Seine Analysen betonen die Bedeutung von Produktivitätssteigerungen, technologischer Innovation und einer nachhaltigen Fiskalpolitik. Kritiker werfen ihm gelegentlich vor, zu pessimistisch zu sein, doch Stelter sieht sich als Realist, der unbequeme Wahrheiten anspricht. Mit seinem Stil – klar, analytisch, und oft provokant – hat er sich in Deutschland als Stimme für tiefgreifende Wirtschaftsreformen etabliert.