(Quelle: https://think-beyondtheobvious.com)

Dr. Daniel Stelter begleitet mich schon seit längerer Zeit – vor allem mit seinem Podcast „beyond the obvious“, den ich hier auf meiner Plattform immer wieder empfohlen habe. Auch seine Bücher „Das Märchen vom reichen Land“ und „Coronomics“ gehörten für mich zu den wichtigen wirtschaftspolitischen Einordnungen der letzten Jahre. Beide wurden hier auf der Plattform bereits besprochen.

Mit seinem neuen Buch „Absturz: So retten wir Deutschland“ bleibt Stelter seiner Linie treu: Er beschreibt die Lage Deutschlands klar, ungeschönt und ohne parteipolitische Rücksichtnahme. Genau das schätze ich an ihm. Stelter spricht Probleme an, die in der öffentlichen Debatte oft verdrängt, beschönigt oder ideologisch überdeckt werden. Und er scheut sich nicht, auch prominenten Stimmen der deutschen Ökonomie zu widersprechen, wenn er ihre Argumente für falsch hält.

Der Titel „Absturz“ ist bewusst zugespitzt. Aber beim Lesen wird schnell klar: Es geht nicht um Untergangsrhetorik. Es geht um die Frage, ob Deutschland den selbst verschuldeten Sinkflug noch rechtzeitig korrigieren kann.

Stelters Kernthese lautet: Deutschland lebt seit Jahren von der Substanz. Infrastruktur, Bildung, Produktivität, Energieversorgung, Innovation und industrielle Wettbewerbsfähigkeit wurden vernachlässigt. Gleichzeitig wurden immer neue staatliche Leistungsversprechen aufgebaut, ohne ehrlich zu fragen, wer sie künftig erwirtschaften soll. Die „schwarze Null“ war aus seiner Sicht deshalb nie ein echter Ausdruck von Solidität, sondern oft nur eine Bilanzverkürzung: Man hat zu wenig offiziell neue Schulden gemacht, aber dafür Infrastruktur verfallen lassen und verdeckte Verpflichtungen bei Rente, Gesundheit und Pflege aufgebaut.

Besonders überzeugend finde ich, dass Stelter Wohlstand nicht als Selbstverständlichkeit behandelt. Wohlstand entsteht nicht durch Umverteilung, sondern durch Arbeit, Produktivität, Bildung, Innovation, Kapitalbildung und bezahlbare Energie. Genau diese Grundlagen geraten in Deutschland unter Druck. Hohe Energiepreise, überbordende Bürokratie, falsche Anreize im Sozialstaat und eine Politik, die häufig mehr verteilt als ermöglicht, gefährden aus seiner Sicht die wirtschaftliche Basis des Landes.

Man muss nicht jede einzelne Schlussfolgerung Stelters teilen. Aber man sollte sich mit seinen Argumenten auseinandersetzen. Denn sie zwingen dazu, unbequeme Fragen zu stellen: Wovon soll unser Wohlstand künftig kommen? Wer investiert noch in Deutschland? Warum wandern Unternehmen und Gründer ab? Warum haben viele Bürger trotz hoher Wirtschaftsleistung so wenig Vermögen? Und warum reden wir so oft über Verteilung, aber so selten über die Voraussetzungen von Wohlstand?

Für mich ist „Absturz“ deshalb eine klare Buchempfehlung für den Sommer. Nicht als leichte Strandliteratur, sondern als wichtiges Buch für alle, die verstehen wollen, warum Deutschland wirtschaftlich unter Druck steht – und warum das auch für private Vermögensbildung, Finanzplanung und Geldanlage relevant ist.

Mein Fazit: Daniel Stelter liefert einen schonungslosen Weckruf. Deutschland ist nicht zum Absturz verdammt. Aber ohne Kurswechsel wird es schwer, den Sinkflug zu stoppen.

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