Die Gespräche beginnen nicht mit Renditeerwartungen. Sie beginnen mit Unruhe. Auf Mallorca trafen sich Unternehmer, Vermögensverwalter, Juristen. Menschen, die Vermögen aufgebaut haben. Menschen, die Verantwortung tragen. Sie sprachen über Krieg in Europa, über eine fragmentierter werdende Weltordnung, über fiskalischen Druck auf Staaten. Und über die Frage, was das für ihr Vermögen bedeutet.
Was dort verhandelt und besprochen wurde, war keine Flucht. Es war eine Lageeinschätzung.
Die Zahlen zeichnen zunächst kein Krisenbild. Das weltweite Vermögen von Millionären lag 2010 bei rund 42,7 Billionen US-Dollar. Heute sind es etwa 90,5 Billionen. Ein Anstieg von mehr als hundert Prozent in gut einem Jahrzehnt. Rund 60 Millionen Menschen weltweit verfügen inzwischen über ein Vermögen von mindestens einer Million Dollar. Vermögen ist nicht verschwunden, nein es ist gewachsen. Regional verteilt sich dieses Vermögen mit klaren Schwerpunkten. Nordamerika hält etwa ein Drittel, Asien-Pazifik liegt knapp dahinter, Europa kommt auf gut ein Fünftel. Afrika, der Nahe Osten und Lateinamerika folgen mit deutlich geringeren Anteilen. Kapital ist global. Aber es ist ungleich verteilt. Und es ist deutlich beweglicher geworden.
Die Karte der Millionärsmigration zeigt diese Bewegung deutlicher als jede Debatte. Die Vereinigten Arabischen Emirate verzeichnen einen Nettozuzug von fast zehntausend vermögenden Personen. Die USA gewinnen mehrere tausend hinzu. Auch die Schweiz, Singapur, Griechenland oder Italien stehen auf der Gewinnerseite. Gleichzeitig verliert Großbritannien zehntausende Millionäre netto. China ebenfalls mehrere tausend. Indien, Südkorea und Russland verzeichnen deutliche Abflüsse. Deutschland liegt mit einem moderaten negativen Saldo im Mittelfeld. Keine dramatische Erosion. Aber auch keine Sogwirkung.
Entscheidend ist weniger die einzelne Zahl. Entscheidend ist, dass Bewegung stattfindet.
Vermögen prüft Alternativen
Die Motive dafür sind komplex. In Befragungen geben mehr als ein Drittel deutscher Millionäre an, ihr Vermögen gezielt für einen Krisenfall abgesichert zu haben. Ein Teil hat seit 2022 verstärkt Gold erworben. Und ein signifikanter Anteil denkt zumindest über Auswanderung nach. Das sind keine Massenbewegungen. Aber es sind Indikatoren für ein verändertes Sicherheitsbedürfnis.
Dabei geht es nicht ausschließlich um Steuersätze. Natürlich spielen Erbschaftsteuer, Wegzugsbesteuerung oder Kapitalertragsteuer eine Rolle. Doch in vielen Gesprächen steht ein anderer Begriff im Zentrum: Planbarkeit. Die Frage, ob politische Entscheidungen berechenbar bleiben. Ob sich Rahmenbedingungen schleichend oder abrupt verändern. Ob Leistung als Grundlage für Vermögen akzeptiert oder primär als Verteilungsmasse betrachtet wird.
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