Vom 21. bis 23. September treffen sich in München rund 170 deutsche Unternehmen mit internationalen Investoren, darunter der überwiegende Teil von DAX und MDAX. Gesprochen wird dort über die Umsetzung des Fiskalpakets, über Rüstungsaufträge, über Rechenzentren und Stromnetze. Also über Deutschland.

Für Privatanleger hängt an dieser Konferenz mehr, als es zunächst aussieht. In vielen Depots liegt ein DAX-ETF, und dahinter steht fast immer eine Überzeugung. Entweder „ich glaube an den Standort” oder, spiegelbildlich, „Deutschland lasse ich lieber weg”. Beide Sätze meinen etwas, das dieser Index gar nicht abbildet.

Drei Autobauer, ein Viertel ihres früheren Gewichts

Diese Woche lieferte eine Auswertung von auto motor und sport die vielleicht anschaulichste Zahl des Jahres. Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz brachten 2014 zusammen fast 23 Prozent des DAX auf die Waage. Heute sind es weniger als sechs Prozent.

Dahinter steckt keine Indexreform, sondern schlichte Arithmetik. Der DAX gewichtet nach Streubesitz-Marktkapitalisierung. Wer an Börsenwert verliert, verliert an Gewicht. Mercedes liegt 2026 seit Jahresbeginn rund 22 Prozent im Minus, Volkswagen etwa 24 Prozent, BMW fast 35 Prozent. Die Gewinne sind mitgeschrumpft: Volkswagen meldete zuletzt einen Rückgang von 36 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, BMW im ersten Halbjahr 26 Prozent.

Für Anleger heißt das etwas Unerwartetes. Wer die deutsche Autokrise fürchtet und deshalb einen Bogen um deutsche Aktien macht, meidet ein Risiko, das der Index längst weitgehend abgebaut hat. Sechs Prozent sind keine Klumpenposition. SAP allein wiegt mit der seit 2024 geltenden Kappungsgrenze bis zu 15 Prozent.

Wo die DAX-Konzerne ihr Geld tatsächlich verdienen

Der zweite Irrtum liegt auf der anderen Seite und wiegt schwerer. Wer den DAX kauft, um an einer anziehenden deutschen Konjunktur teilzuhaben, kauft überwiegend etwas anderes.

Das Flossbach von Storch Research Institute hat es im Mai dieses Jahres nüchtern zusammengefasst: Über achtzig Prozent der Umsätze der DAX-Unternehmen stammen aus dem Ausland, und sechzig bis siebzig Prozent ihrer Wertschöpfung findet außerhalb Deutschlands statt. Eine ältere Morningstar-Auswertung über 48 Länderindizes kommt auf einen Inlandsumsatzanteil von 23 Prozent für Deutschland. Zum Vergleich: US-Konzerne erzielen 62 Prozent ihrer Erlöse im eigenen Land, Schweizer Konzerne nur neun Prozent.

Ein DAX-ETF ist damit näher an einem Index auf die Weltkonjunktur mit deutschem Briefkasten als an einem Abbild der Wirtschaft zwischen Flensburg und Passau. Wer wissen will, wie es dem deutschen Standort geht, schaut besser auf chinesische Auftragseingänge und amerikanische Investitionsbudgets als auf die Kurstafel. Deutsche Binnenkonjunktur findet sich eher weiter unten in der Indexfamilie. Die Unternehmen im SDAX erzielen gut 57 Prozent ihres Umsatzes in der Eurozone, die DAX-Konzerne im Schnitt weniger als ein Drittel.

Was das für ein Depot mit 100.000 Euro bedeutet

Machen wir es konkret. Wer 100.000 Euro in einen DAX-ETF legt, hält damit bis zu 15.000 Euro in einem einzigen Softwarehaus und knapp 6.000 Euro verteilt auf drei Autokonzerne. Der Rest verteilt sich auf 36 weitere Titel, deren Geschäft ganz überwiegend außerhalb Deutschlands stattfindet.

Vierzig Werte klingen nach Streuung. Tatsächlich ist es eine Wette auf wenige Schwergewichte, deren Schicksal an globalen Investitionszyklen hängt. Das ist derselbe Mechanismus, den wir an anderer Stelle beim MSCI World beschrieben haben, nur in kleinerem Maßstab (siehe „Breit gestreut ist nicht dasselbe wie gut aufgestellt”).

Wer daraus ableitet, er brauche zusätzlich zum Weltportfolio noch einen Deutschland-Baustein, sollte zweimal hinsehen. SAP, Allianz, Siemens und Co. stecken im MSCI World bereits drin. Ein DAX-ETF obendrauf verdoppelt vor allem die größten Positionen, die man ohnehin schon hat.

Die andere Seite der Medaille

Der hohe Auslandsanteil ist keine Schwäche. Er ist der Grund, warum der deutsche Aktienmarkt in den vergangenen Jahren so viel besser lief als die deutsche Wirtschaft. Seit 2022 ist der DAX-Preisindex um gut ein Viertel gestiegen, während das Bruttoinlandsprodukt stagnierte. Wer 2023 mit dem Argument „der Standort ist am Ende” ausgestiegen ist, hat dafür teuer bezahlt.

Ehrlich bleibt außerdem: Wer konsequent global anlegt, kann sich die ganze Frage sparen. Deutschland macht nur etwa zwei bis drei Prozent des weltweiten Aktienmarktes aus. Eine bewusste Übergewichtung braucht ein Argument, das über Patriotismus hinausgeht.

Wer dieses Argument hat, etwa weil er auf das Fiskalpaket, den Netzausbau oder die Rüstungsaufträge setzt, sollte allerdings prüfen, ob der Leitindex das Gewünschte überhaupt transportiert. Ein Rüstungsauftrag des Bundes landet nicht dort, wo Weltkonjunktur eingepreist wird.

Was Selbstentscheider daraus machen können

Die nützliche Frage lautet nicht, ob Deutschland ins Depot gehört, sondern welches Deutschland. Der exportgetriebene Teil steckt im DAX und damit indirekt schon im Weltportfolio. Der binnenorientierte Teil, also Bau, Infrastruktur, regionale Industrie, Versorger, Finanzdienstleister, liegt überwiegend in den mittelgroßen und kleinen Werten und wird über einen Leitindex kaum abgedeckt.

Beides lässt sich abbilden, aber eben nicht mit demselben Baustein. Über unseren FundsMarket können Sie einzelne Segmente gezielt gewichten oder bewusst darauf verzichten. Die Entscheidung, welches Deutschland Sie im Depot haben wollen, bleibt Ihre.

Der DAX trägt einen deutschen Namen. Wo sein Geld verdient wird, entscheidet sich woanders.

 

 

 


 

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