KI-generiert

Wer in den vergangenen Jahren eine Sparkasse oder Volksbank besucht hat, wird etwas bemerkt haben: weniger Schalter, längere Wartezeiten, häufiger der Hinweis auf die App. Die Filiale ist noch da. Aber sie ist kleiner geworden oder zum leblosen Service-Center umfunktioniert. Eine neue Studie der Beratungsgesellschaft PwC erklärt, warum dieser Trend nicht aufhört – und warum er in vielen Regionen Deutschlands gerade erst beginnt.

Rückenwind, der sich dreht

Zwischen 2011 und 2025 wuchs die Bevölkerung Deutschlands um rund 3,1 Millionen Menschen. Zwei große Einwanderungswellen, 2015 und 2023, trugen dieses Wachstum. Für Banken bedeutete das: mehr potenzielle Kunden, mehr Girokonten, mehr Nachfrage nach Baufinanzierungen. Das Wachstum überdeckte, wie PwC es formuliert, strukturelle Schwächen in einzelnen Geschäftsmodellen.

Seit 2025 schrumpft die Bevölkerung. Das Statistische Bundesamt schätzt, dass zum Jahresende rund 83,5 Millionen Menschen im Land lebten – 100.000 weniger als ein Jahr zuvor. Das Institut der deutschen Wirtschaft erwartet bis 2045 ein Minus von knapp drei Prozent. PwC-Basisszenarien gehen von 3,7 Prozent aus.

Entscheidend ist dabei nicht die nationale Zahl. Entscheidend ist, was auf Gemeindeebene passiert.

Wo Sparkassen stehen

PwC hat für die Studie die Bevölkerungsprognosen für alle 10.751 deutschen Gemeinden ausgewertet und mit den Filialstandorten der einzelnen Institute abgeglichen. Das Ergebnis ist präzise – und unangenehm. Mehr als 60 Prozent der deutschen Gemeinden werden bis 2045 nicht mehr wachsen. 60 Prozent der Sparkassen sind in Märkten aktiv, in denen die Einwohnerzahl schrumpft oder stagniert. Bei den rund 600 Genossenschaftsbanken gilt das für 40 Prozent der Institute.

Im Durchschnitt könnten Sparkassen bis 2045 rund zwölf Prozent ihrer Kundenbasis verlieren. Einzelne Institute – besonders in Teilen Ostdeutschlands – laufen Gefahr, 30 Prozent oder mehr einzubüßen. Volksbanken und Raiffeisenbanken stehen vor ähnlichen Herausforderungen, sind in den am stärksten schrumpfenden Regionen aber etwas weniger exponiert. Ihr projizierter Kundenverlust liegt bei durchschnittlich sechs Prozent.

Privatbanken hingegen sind strukturell in einer anderen Position. Sie konzentrieren sich auf Ballungsräume – also genau jene Regionen, in denen die Bevölkerung wächst oder stabil bleibt. PwC erwartet für sie ein Kundenwachstum von mehr als zehn Prozent bis 2045.
Daniel Wildhirt, Partner und Banking Leader Advisory bei PwC Deutschland, bringt es direkt auf den Punkt: „Das Regionalprinzip wird vom Stabilitätsanker zunehmend zum Risikofaktor.”

Zwei Probleme, ein Spannungsfeld

Doch genau hier liegt eine Verschärfung, die in den Bevölkerungsprognosen noch gar nicht enthalten ist. Denn parallel zum demografischen Druck gewinnen Onlinebanken und Neobroker weiter an Boden. ING und DKB haben ihre Kundenzahlen in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut. Trade Republic, Scalable und Revolut sprechen vor allem jüngere Kunden an – und sind im Wertpapiergeschäft präsent. Hier auf unserer Plattform zeigt FundsMarket und StrategyMarket sowie die beiden Robo-Advisor Minveo und vividam, dass es auch eine mediale Unterstützung plus die digitale Abwicklung gibt, wenn man möchte.

Wildhirt beschreibt das Dilemma klar: Regionalbanken müssten erheblich in ihre digitale Wettbewerbsfähigkeit investieren. Und doch wünschten gerade ältere Kunden weiterhin persönliche Beratung vor Ort. Beides gleichzeitig zu finanzieren ist in wachsenden Märkten eine strategische Aufgabe. In schrumpfenden Regionen wird es zur Belastungsprobe.
Die Verbände reagieren erwartbar gelassen. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband verweist darauf, dass demografische Entwicklungen seit jeher Teil der strategischen Planung seien. Die Sparkassen entwickeln mit „S-Neo” ein digitales Wertpapierangebot, das den ETF-Handel über die Sparkassen-App ermöglichen soll. Die Genossenschaftsbanken prüfen ein ähnliches Projekt namens „Zuwachs” – es steht noch am Anfang.

Was das für uns als Kunden bedeutet

Wer sein Vermögen bei einer Sparkasse oder Volksbank führt, muss sich natürlich keine akuten Sorgen um die Einlagensicherheit machen. Beide Säulen verfügen über gut ausgebaute Sicherungssysteme. Darum geht es hier überhaupt nicht.

Die relevante Frage ist eine andere: Welche Beratungsqualität und welches Leistungsangebot kann ein Institut mittelfristig aufrechterhalten, wenn seine Kundenbasis schrumpft, seine Fixkosten aber nicht im gleichen Maß sinken? Filialabbau, steigende Beraterauslastung und verzögerte Digitalisierung sind keine abstrakten Risiken. Sie sind bereits sichtbar – und die demografische Dynamik wird sie beschleunigen.

Nicht weil Sparkassen oder Volksbanken schlechte Institute wären. Sondern weil ihr Geschäftsmodell an geografische Räume gebunden ist, die sich verändern.

Die eigentlich interessante Frage stellt sich auf einer anderen Ebene: Werden die Institute, die heute in wachsenden Regionen aktiv sind, die Lücke füllen, die anderswo entsteht? Oder wird dieser Strukturwandel still und unbemerkt vonstatten gehen – bis die Filiale, die man seit Jahrzehnten kennt, eines Tages einfach nicht mehr da ist?