Die Online-Bank “Revolut” hat in dieser Woche die nächste Runde im Tagesgeld-Wettbewerb eingeläutet: 4,25 Prozent für Neukunden in Deutschland. Eine Zahl, die ins Auge fällt – und die genau dafür gemacht ist. Denn wer sie einordnet, erkennt schnell, dass hier nicht ein besonders großzügiges Sparangebot beworben wird, sondern ein Instrument der Kundengewinnung. Das ist keine Kritik an Revolut im Besonderen (Frank Seidel zum Beispiel ist selbst seit Jahren Kunde dort und empfiehlt die Online-Bank auch in bestimmten Konstellationen weiter!) es ist das Muster der gesamten Branche. Und es lohnt sich, dieses Muster einmal ruhig auseinanderzunehmen, bevor man ihm folgt.
Was hinter der großen Zahl steht
Die 4,25 Prozent gelten ausschließlich für Neukunden, sie sind auf ein Guthaben von 25.000 Euro gedeckelt, sie laufen vier Monate, und im Anschluss bleiben sie nur bestehen, wenn regelmäßig mit der Karte bezahlt wird. Danach greift der reguläre Tarif. Man erhält also einen hohen Zins auf einen begrenzten Betrag für einen begrenzten Zeitraum unter einer Verhaltensbedingung – und muss den Wechsel selbst organisieren.
Revolut steht damit nicht allein. Chase, der deutsche Ableger von J.P. Morgan, lockt mit vier Prozent für vier Monate und fällt anschließend auf zwei Prozent zurück. Die ING zahlt 3,75 Prozent für vier Monate, allerdings nur in Kombination mit einem neuen Girokonto. Die Consorsbank bietet 3,60 Prozent über fünf Monate, Advanzia 3,76 Prozent befristet, die Renault Bank 3,50 Prozent für drei Monate. Alle nach demselben Prinzip:
hoher Einstiegszins, enges Zeitfenster, danach die Rückkehr zur Normalität.
Und die Normalität ist ernüchternd. Wer sein Geld nach Ablauf der Aktion einfach liegen lässt, bekommt auf ein durchschnittliches täglich fälliges Guthaben bei deutschen Banken derzeit rund 0,28 Prozent – so weist es die Zinsstatistik der EZB aus. Selbst dauerhaft verzinste Angebote ohne Aktionscharakter bewegen sich darunter, was man erwarten würde: Trade Republic zahlt 2,25 Prozent, andere deutlich weniger. Der Lockzins und der Alltagszins liegen also nicht ein paar Zehntel auseinander, sondern Welten. Genau diese Lücke ist das Geschäftsmodell.
Warum das Zinshopping selten aufgeht
Man kann diesem Spiel folgen. Man kann alle vier Monate ein neues Konto eröffnen, Fristen im Kalender führen, Kartenumsätze nachhalten und rechtzeitig wieder kündigen. Nur sollte man wissen, worum man dabei spielt. Der Unterschied zwischen 4,25 Prozent und einem realistischen Alternativzins von etwa 2,5 Prozent macht auf 25.000 Euro über vier Monate rund 145 Euro vor Steuern aus. Das ist ein netter Betrag, aber keiner, für den sich ein dauerhaftes Abonnement auf Kontowechsel lohnt. Und für jeden Euro oberhalb der 25.000 bringt die Aktion ohnehin nichts.
Die Banken kalkulieren mit der menschlichen Trägheit. Ein erheblicher Teil der so gewonnenen Kunden bleibt nach Ablauf der Frist einfach liegen – und finanziert mit dem dann mageren Zins die nächste Werbeaktion für die nächsten Neukunden. Wer clever sein will, muss also dauerhaft aktiv sein. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, welche Bank in diesem Monat am meisten zahlt, sondern eine andere: Wohin mit Geld, das man nicht sofort braucht, aber jederzeit verfügbar halten möchte – ohne dieses Spiel jedes Quartal neu zu spielen?
Der Maßstab, an dem man Parkangebote messen sollte
Es gibt einen fairen Referenzzins für kurzfristiges Euro-Geld: den €STR, den Zinssatz, zu dem sich Banken über Nacht gegenseitig Liquidität leihen. Er liegt aktuell bei rund 2,19 Prozent und folgt eng dem Einlagensatz der EZB von derzeit 2,25 Prozent. Das ist das ehrliche Marktniveau. Alles, was eine Bank Ihnen dauerhaft und ohne Bedingungen darunter zahlt, behält sie als Marge; alles, was sie Ihnen befristet darüber zahlt, ist Werbung, die sie an anderer Stelle wieder hereinholt.
An diesem Marktzins orientieren sich Geldmarktfonds – und damit werden sie zum eigentlichen Gegenentwurf zum Lockangebot. Auf StrategyMarket bilden wir diesen Baustein über die Geldmarktstrategie mit dem Xtrackers II EUR Overnight Rate Swap ETF ab, mit über 22 Milliarden Euro der größte seiner Art in Europa. Seine Verzinsung folgt schlicht dem €STR, die laufenden Kosten liegen bei 0,10 Prozent im Jahr, und der Zins gilt für den gesamten Betrag – ob 5.000 oder 500.000 Euro –, ohne Deckel, ohne Frist, ohne Kartenumsatz-Bedingung. In den vergangenen Jahren hat sich das im Ergebnis gezeigt: 2024 rund 3,79 Prozent, 2025 rund 2,22 Prozent, jeweils im Gleichlauf mit dem Geldmarktzins des Jahres.
Was ehrlicherweise dazugehört
Ein Geldmarktfonds ist kein Tagesgeldkonto, und er soll es nicht ersetzen, sondern ergänzen. Er unterliegt nicht der gesetzlichen Einlagensicherung von 100.000 Euro; er ist Sondervermögen und bildet den Index über einen Swap ab, was ein – reguliert eng begrenztes – Kontrahentenrisiko mit sich bringt. Sein Kurs kann geringfügig schwanken, auch wenn diese Schwankung im Geldmarkt sehr klein ist. Steuerlich fällt bei thesaurierender Bauweise die Vorabpauschale an. Und selbstverständlich sinkt seine Verzinsung, wenn die EZB die Zinsen senkt – er ist ein Spiegel des Marktzinses, kein garantierter Festzins.
Das ist der ehrliche Tausch:
kein Einlagenschutz und ein Hauch Kursbewegung gegen einen dauerhaft marktgerechten Zins ohne Volumengrenze und ohne organisatorischen Aufwand.
Für die eiserne Reserve, die wirklich am nächsten Tag greifbar sein muss, bleibt das Tagesgeldkonto sinnvoll. Für den größeren Teil, der ohnehin nur „geparkt” wird, ist die Frage berechtigt, warum er zu 0,28 Prozent bei der Hausbank liegen sollte.
Das eigentliche Argument
Lockangebote sind ein Werbeinstrument, kein Vermögenskonzept. Sie einmal mitzunehmen, wenn Summe und Aufwand passen, ist legitim. Die dahinterliegende Aufgabe aber – Liquidität sinnvoll und dauerhaft zu parken – lösen sie nicht, sie verschieben sie nur alle vier Monate. Ein Geldmarktfonds beantwortet genau diese Aufgabe: als ruhiger Parkplatz, der auch dann noch trägt, wenn die nächste Aktion längst ausgelaufen ist. Weniger Schlagzeile, mehr Struktur.












