Am 14. August schloss der Volatilitätsindex VIX bei 14,25 Punkten, dem niedrigsten Stand des laufenden Jahres. Er kam zu einem Zeitpunkt, an dem der S&P 500 rund 16 Prozent im Plus lag und Dow Jones wie Nasdaq Composite nacheinander Rekordstände markierten. Die Kommentare liefen danach fast alle in dieselbe Richtung. Jonathan Krinsky, Chief Market Technician bei BTIG, verwies auf das Fenster von Mitte August bis Mitte Oktober, historisch die unruhigste Phase des Börsenjahres, und darauf, dass der Markt ausgerechnet mit Allzeithochs und einem Jahrestief bei der Volatilität hineinläuft. Sorglosigkeit, hieß es, Ruhe vor dem Sturm.

Ich halte diese Lesart für zu kurz gegriffen. Sie fragt den Index nach etwas, das er nicht beantworten kann.

Der VIX sagt Ihnen nicht, wie der Herbst wird. Er sagt Ihnen, was Risiko heute kostet. Und das ist die nützlichere Information, weil sie sich unmittelbar in eine Entscheidung übersetzen lässt.

Das Angstbarometer misst keine Angst

Der Spitzname hat sich eingebürgert, aber er führt in die Irre. Der VIX wird nicht aus Umfragen berechnet, aus Stimmungslagen oder aus Positionierungsdaten. Er wird aus den Preisen von Optionen auf den S&P 500 abgeleitet und drückt aus, welche Schwankungsbreite der Optionsmarkt für die kommenden 30 Tage einpreist. Optionen sind Kursversicherungen. Der VIX ist also nichts anderes als das Prämienniveau dieser Versicherung, umgerechnet in eine Jahresvolatilität.

Der Vergleich mit einer Sturmversicherung trägt weit. Wenn die Police für ein Küstenhaus im Januar teurer ist als im Mai, dann verrät Ihnen die Prämie etwas über die Erfahrung des Versicherers mit Winterstürmen. Sie verrät Ihnen nichts darüber, ob in diesem Januar ein Sturm kommt. Eine ungewöhnlich günstige Police im August ist zunächst einmal ein Angebot, mehr nicht.

Genau so verhält es sich mit 14,25 Punkten. Der langfristige Mittelwert des Index seit seinem Start 1990 liegt bei etwa 19,5. Ende Juni notierte er im Schnitt bei 16,45, im Juli bei 15,99, seither tiefer. Am 27. März, während des Konflikts zwischen den USA und dem Iran, stand er bei 31,05. Die Spanne des laufenden Jahres reicht damit von 14,25 bis 31,05 Punkten. Über die vergangenen drei Jahre lag der Index an 83 Prozent aller Handelstage unter 20. Das ist die Preisentwicklung einer Versicherung, nicht der Fahrplan eines Marktes.

Die nachfolgenden Inhalte sind geschützt

Bitte registrieren Sie sich für die Inhalte dieser Website oder nutzen Sie Ihre bekannten Log In Daten (Username und Password) um die Inhalte freizuschalten.


 

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung für einzelne Wertpapiere, Fonds oder Anlageklassen. Alle Angaben zu Marktdaten geben den Stand zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und können sich jederzeit ändern. Die dargestellten Modellrechnungen sind vereinfachte Näherungen zu Veranschaulichungszwecken, sie berücksichtigen weder Transaktionskosten noch Steuern und lassen sich nicht auf individuelle Depots übertragen. Frühere Wertentwicklungen und historische Kennzahlen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Wertpapieranlagen unterliegen Kursschwankungen bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals. Unsere Dienstleistungen erbringen wir im Rahmen des beratungsfreien Geschäfts (Execution Only); die Anlageentscheidung und deren Verantwortung liegen bei Ihnen. Rechts- und Datenstand: August 2026.