Nach einem Jahr, das wirtschaftlich so turbulent war wie selten zuvor, richtet sich der Blick unseres Anlageausschusses auf 2026 – und besonders auf das erste Halbjahr. Die Weltwirtschaft hat erstaunliche Widerstandskraft bewiesen. Trotz geopolitischer Spannungen, steigender Staatsschulden und politischer Polarisierung bleibt das globale Wachstum solide. Die Inflation ist zurückgekehrt – aber auf einem höheren, „wärmeren“ Niveau, das die Märkte neu ordnet.
Wir befinden uns in einer Welt, die sich verändert hat: weg von der Ära billigen Geldes und grenzenloser Globalisierung – hin zu einer Phase, in der Regierungen wieder stärker in die Wirtschaft eingreifen, Unternehmen investieren müssen und Technologie zum zentralen Wachstumstreiber wird. Diese „neue Normalität“ schafft Risiken, aber auch bemerkenswerte Chancen.
Mehr Staat, mehr Investitionen – und mehr Schulden
Was früher als fiskalische Ausnahme galt, ist heute politische Dauerstrategie: Staaten investieren wieder. Ob in Europa mit der Aufhebung der deutschen Schuldenbremse, in den USA mit großangelegten Industrieprogrammen oder in Asien mit massiven Infrastrukturinitiativen – der Staat kehrt als ökonomischer Akteur zurück. Diese Investitionswelle wirkt wie ein kurzfristiger Wachstumsschub, könnte aber mittelfristig die Zinsen dauerhaft etwas höher halten.
Unser Ausschuss erwartet daher, dass sich Renditen für Staatsanleihen 2026 im Bereich von 4 bis 4,5 Prozent stabilisieren – die attraktivsten Aussichten seit der Finanzkrise. Für Anleger bedeutet das: Anleihen sind zurück als echte Ertragsquelle und als Schutz in turbulenten Zeiten. Wer seine Portfolios bislang zu stark auf Aktien fokussiert hatte, sollte 2026 wieder bewusst Duration ins Depot holen.
Der zweite große Treiber des kommenden Jahres bleibt die Technologie. Doch die Dynamik verändert sich. Nach der Phase der reinen „Adoption“ von Künstlicher Intelligenz geht es nun um die „Deployment“-Phase – also um den breiten Einsatz von KI in klassischen Branchen. Von Gesundheitswesen bis Industrie: Produktivitätsgewinne werden greifbar.
Für Anleger heißt das: Die Chancen liegen nicht nur in den großen US-Techkonzernen, sondern zunehmend in jenen Unternehmen, die diese Technologien anwenden. Europa und Asien holen hier auf. Der Aktienausblick unseres Ausschusses für 2026 ist daher konstruktiv – mit erwarteten Renditen von rund sieben Prozent global. Die US-Börsen bleiben solide, aber internationale Märkte bieten Aufholpotenzial, zumal ein tendenziell schwächerer Dollar Rückenwind verleiht.
„Wärmere“ Inflation als Dauerzustand
Die Inflationsraten werden 2026 weiter sinken, aber wohl kaum auf die niedrigen Werte der 2010er-Jahre zurückkehren. Politische Prioritäten haben sich verschoben: Sicherheit, Energieunabhängigkeit und regionale Produktion stehen höher auf der Agenda als Effizienz und Globalisierung. Das führt zu einer Inflationslandschaft, die unruhiger und etwas „wärmer“ bleibt – rund 2,5 Prozent in den Industriestaaten, etwas mehr in den Schwellenländern.
Für Investoren heißt das: Inflationsschutz bleibt gefragt. Realwerte wie Immobilien, Infrastruktur oder Gold bieten Stabilität. Unser Ausschuss sieht in dieser Gruppe überdurchschnittlich attraktive Rendite-Risikoprofile – zwischen sechs und acht Prozent pro Jahr. Besonders interessant sind Investitionen in Energie-, Transport- und Versorgungsinfrastruktur, die von politischen Investitionsprogrammen profitieren.
Private Märkte gewinnen an Bedeutung
Die Welt der privaten Anlagen bleibt spannend. Nach Jahren enormer Kapitalzuflüsse normalisiert sich das Umfeld, doch die Bewertungsniveaus vieler Private-Equity-Transaktionen sind wieder attraktiver geworden. Direktkredite (Private Debt) bieten durch hohe Basiszinsen Renditen von sieben bis acht Prozent – bei überschaubarem Risiko, wenn man auf solide Manager setzt.
Unser Ausschuss sieht in einer „60/40+“-Strategie die zukunftsfähige Grundlage für vermögende Privatkunden: also etwa 60 Prozent Aktien, 30 Prozent Anleihen und 10 bis 20 Prozent alternative Anlagen – von Private Markets über Infrastruktur bis hin zu Gold. Eine solche Aufstellung kann die erwartete Rendite auf rund sieben Prozent pro Jahr heben – bei verbesserter Stabilität im Abschwung.
2026: Ein Jahr der Balance
Das erste Halbjahr 2026 dürfte geprägt sein von einer gewissen wirtschaftlichen Beruhigung nach dem Zinszyklus der vergangenen Jahre. Die Rezessionsängste nehmen ab, das Wachstum bleibt moderat, und die Märkte suchen nach einem neuen Gleichgewicht. Gleichzeitig wird die politische Unsicherheit hoch bleiben: Wahlen, geopolitische Spannungen und der Wettlauf um technologische Vorherrschaft sorgen für Volatilität.
Für Anleger bedeutet das: Flexibilität ist wichtiger denn je. Die Zeit der Einwegwetten ist vorbei. Diversifikation – über Regionen, Anlageklassen und Liquiditätsprofile hinweg – ist wieder das Gebot der Stunde. Und wer langfristig denkt, wird feststellen, dass sich gerade in dieser „Phase der Unordnung“ viele stille Chancen auftun. Unser Fazit lautet somit: 2026 wird kein Jahr der Euphorie, sondern eines der konstruktiven Normalisierung. Solide Renditen sind möglich – nicht durch Spekulation, sondern durch ausgewogenes Investieren in eine Welt, die zwar komplexer, aber auch chancenreicher geworden ist.













