Die jüngsten Einordnungen von Ann-Katrin Petersen, CFA Leiterin Kapitalmarktstrategie DACH bei BlackRock (Nachfolgerin von Dr. Martin Lück, den wir ja über viele Jahre bei uns als Gast begrüßen konnten) und die Datenlage aus dem Bereich der Alternative Investments (UBS) zeichnen ein Bild, das weit über die tagesaktuelle Geopolitik hinausgeht. Wir erleben gerade keine kurzfristige Korrektur, sondern eine fundamentale Neuordnung der Marktlogik.
1. Das Ende der Zinshoffnung: Die Fed ist kein Rettungsanker mehr
Lange Zeit war das Kalkül vieler Anleger simpel: Wenn es geopolitisch knallt oder die Wirtschaft schwächelt, senken die Zentralbanken die Zinsen und alles wird gut. Diese „Blaupause“ funktioniert 2026 nicht mehr. Dr. Jürgen Michels hatte bereits im Kapitalmarktupdate im Februar darauf hingewiesen. Die Themen beginnen sich mittlerweile stark zu verzahnen.
Wie Ann-Katrin Petersen in ihrem Vortrag heute am 4.3.26 treffend analysierte, ist der Spielraum der US-Notenbank Fed begrenzt. Die Inflation in den USA erweist sich als extrem zäh, getrieben durch hohe Staatsverschuldung und eine lockere Fiskalpolitik. Für Sie als Anleger bedeutet das: Rechnen Sie nicht mit massiven Zinssenkungen als „Geschenk“. Besonders bei langlaufenden US-Staatsanleihen ist Vorsicht geboten – der Aufwärtsdruck auf die Renditen bleibt hoch. Wir bevorzugen hier klar die europäische Seite, die eine andere Dynamik aufweist.
2. KI 2.0: Von der Euphorie zur physischen Realität
Wir beobachten derzeit eine gesunde, wenn auch schmerzhafte Entzauberung im Tech-Sektor. Die Phase der reinen KI-Euphorie („Jeder, der KI sagt, steigt“) ist vorbei. Wir treten ein in die Phase der Monetarisierung und der physischen Beschränkungen.
Die Jagd nach Gewinnern und Verlierern wird nun entlang der Wertschöpfungskette entschieden. Während Software-Anbieter unter Druck geraten, weil sie beweisen müssen, wie sie KI in echte Gewinne verwandeln, rückt die physische Infrastruktur in den Fokus:
- Energie & Kühlung: Ohne massiven Ausbau der Stromnetze und Kühlkapazitäten gibt es kein KI-Wachstum.
- Hardware & Halbleiter: Die Schaufelverkäufer bleiben essenziell, solange die physischen Engpässe bestehen.
Investoren, die nicht auf einzelne „Anwendungswetten“ setzen wollen, finden in der Basisinfrastruktur der KI den stabileren Hebel. Hier wird das Fundament für die nächsten zehn Jahre gelegt – unabhängig davon, welche App am Ende das Rennen macht.
3. Geopolitik als Struktur-Faktor: Das Nadelöhr Hormus
Die Spannungen zwischen dem Iran und Israel sind für uns kein Grund zur Panik, aber ein Grund zur genauen Beobachtung der Logistikwege. Die Straße von Hormus ist das Nadelöhr der Weltwirtschaft (ein Fünftel des globalen Ölflusses).
Die Märkte „schauen aktuell durch“ den Konflikt hindurch und preisen ein kurzes Szenario ein. Doch das Risiko eines stagflationären Regimes – also steigende Preise bei stagnierendem Wachstum – ist real, falls die Lieferketten langfristig gestört werden. Hier zeigt sich die Stärke von Alternative Investments: Private Equity und Real Estate bieten durch vertraglich gesicherte Cashflows und einen Fokus auf „Asset Lite“-Industrien einen Puffer, den liquide Aktienmärkte in Momenten der Panik nicht haben.
Was bedeutet das für unsere und Ihre Strategien?
Wir bleiben grundsätzlich konstruktiv, aber selektiv. Die Zeit der breiten Index-Gewinne („Rising tide lifts all boats“) ist vorbei. Aktien: Wir halten an US-Aktien mit klarem KI-Infrastruktur-Bezug fest, blicken aber verstärkt auf Japan und ausgewählte Schwellenländer, die derzeit relative Stärke zeigen. Anleihen: Europa schlägt USA. Die Zinswende ist hier greifbarer als in den hochverschuldeten USA. Halt durch Struktur: Nutzen Sie die aktuelle Volatilität nicht für hektische Trades, sondern um Ihre Allokation in Sachwerte und Infrastruktur zu prüfen. Wahre Souveränität entsteht, wenn man die Architektur des Chaos versteht, statt vor ihm wegzulaufen.













