Die Märkte sind nervös, die Nachrichtenlage angespannt, die Unsicherheit greifbar. Genau in solchen Phasen treffen Anleger die meisten Entscheidungen – und oft die falschen. Nicht, weil die Informationen fehlen, sondern weil sich bestimmte Handlungen plötzlich richtig anfühlen. Risiko reduzieren. Abwarten. Liquidität aufbauen. Es ist ein Reflex.
Und genau dieser Reflex kostet Rendite.
Denn Märkte funktionieren nicht nach Gefühl, sondern nach Erwartungen. Wenn Unsicherheit sichtbar wird, ist sie in der Regel bereits eingepreist. Kurse reagieren nicht auf das Ereignis selbst, sondern auf die Abweichung zwischen Erwartung und Realität. Das führt dazu, dass die größten Kursverluste oft dann stattfinden, wenn die Nachrichtenlage ihren Höhepunkt erreicht – und die anschließende Erholung beginnt, lange bevor Entwarnung gegeben wird.
Wer in solchen Momenten verkauft, steigt genau dann aus, wenn die Wahrscheinlichkeit für zukünftige Rendite am höchsten ist.
Das gilt insbesondere für breite Aktienmärkte. Über aktive Aktienfonds oder ETFs lassen sich diese Bewegungen effizient abbilden, ohne auf einzelne Gewinner setzen zu müssen. Entscheidend ist nicht, welche Aktie sich erholt, sondern dass sich Märkte als Ganzes anpassen. Genau dieser Effekt zeigt sich immer wieder: In Phasen hoher Volatilität entstehen systematische Fehlbewertungen, die sich im Zeitverlauf korrigieren. Die Rendite entsteht nicht trotz der Unsicherheit, sondern wegen ihr.
Das Problem ist, dass sich dieses Verhalten gegen die eigene Intuition richtet. Es fühlt sich falsch an zu investieren, wenn die Lage unklar ist. Es fühlt sich richtig an zu warten. Doch genau dieses Warten führt dazu, dass die entscheidende Phase verpasst wird. Die stärksten Marktbewegungen finden nicht in stabilen Zeiten statt, sondern in Übergangsphasen – wenn sich die Wahrnehmung schneller verändert als die Faktenlage.
Parallel dazu wird häufig ein zweiter Fehler gemacht. Während liquide Anlagen aus Angst reduziert werden, fehlt es gleichzeitig an stabilisierenden Komponenten im Portfolio. Hier kommen Sachwerte ins Spiel.
Anlagen in Infrastruktur, Energie oder private Finanzierungen – wie sie etwa über ELTIF zugänglich sind – folgen einer anderen Logik. Ihr Wert entsteht nicht aus kurzfristigen Marktbewegungen, sondern aus realer Nutzung. Straßen, Netze, Energieversorgung oder Transportkapazitäten funktionieren unabhängig davon, ob die Börsen steigen oder fallen. Gerade in Phasen geopolitischer Spannungen zeigt sich, dass diese Systeme anpassungsfähig sind. Lieferwege ändern sich, Kapazitäten werden verschoben, Reserven genutzt. Die reale Wirtschaft bricht nicht abrupt weg – sie organisiert sich neu.
Für Anleger bedeutet das:
Während ETFs die Renditechance aus Marktschwankungen liefern, sorgen Sachwerte für strukturelle Stabilität.
Sie reagieren weniger stark auf kurzfristige Unsicherheit, profitieren aber von langfristigen Trends wie steigender Nachfrage nach Infrastruktur, Energie und Versorgungssicherheit.
Wer eines von beiden isoliert betrachtet, verpasst das Zusammenspiel.
Ein Portfolio, das ausschließlich auf liquide Märkte setzt, ist anfällig für emotionale Fehlentscheidungen. Ein Portfolio, das zu stark auf illiquide Sachwerte ausweicht, verzichtet auf die Dynamik, die gerade in unsicheren Phasen entsteht. Erst die Kombination aus beidem bildet die Realität der Märkte ab: kurzfristige Überreaktionen auf der einen Seite, langfristige Stabilität auf der anderen.
Die größte Gefahr liegt deshalb nicht in der aktuellen Lage selbst, sondern in der Reaktion darauf. Der Rückzug in Cash mag Sicherheit suggerieren, ist aber in Wahrheit eine Wette darauf, den richtigen Wiedereinstieg zu finden. Diese Wette verlieren die meisten Anleger. Ebenso problematisch ist das Warten auf klare Signale. Wenn sie kommen, ist der Markt bereits weiter.
Die Situation verlangt keine Prognose, sondern Konsequenz.
Investiert zu bleiben, obwohl die Unsicherheit hoch ist, ist keine passive Entscheidung, sondern eine aktive. Ebenso wie das gezielte Aufbauen von Positionen, obwohl die Nachrichtenlage dagegen spricht. Und das Ergänzen des Portfolios um reale Vermögenswerte, die unabhängig von Marktstimmung funktionieren.












