Eine Drohne im Ukraine-Krieg ist nach einem halben bis einem Jahr technisch überholt. Die Software, mit der sie fliegt, hält zwei bis vier Wochen. Ein Beschaffungsvorgang bei der Bundeswehr dauert dagegen, wie es Bernhard Günther formuliert, „so zwischen zwei und vier Jahre”. Günther ist Geschäftsführer der BWI, des IT-Dienstleisters der Bundeswehr, und hat diese Rechnung kürzlich vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung Düsseldorf aufgemacht. Man muss sie nur zu Ende führen: Während ein einziger Auftrag die Verwaltung durchläuft, erscheinen auf dem Gefechtsfeld 25 bis 50 neue Softwaregenerationen.
Diese Zahl ist für zwei Gruppen interessant. Für uns als Steuerzahler, weil sie zeigt, wo die Rekordbudgets hängen bleiben. Und für uns alle als Anleger und Investoren, weil sie eine Annahme infrage stellt, auf der ein Großteil der Rüstungsbegeisterung an der Börse ruht: dass bewilligtes Geld zügig zu Umsatz wird.
131 Millionen Euro am Tag
Zunächst die Größenordnung. Für 2026 stehen der Bundeswehr laut Verteidigungsministerium 82,69 Milliarden Euro im regulären Wehretat und weitere 25,51 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen zur Verfügung, zusammen mehr als 108 Milliarden. Bis 2029 soll die Summe auf rund 152 Milliarden Euro steigen. Allein für militärische Beschaffung sind in diesem Jahr knapp 48 Milliarden Euro eingeplant. Umgerechnet muss der Apparat also an jedem Kalendertag rund 131 Millionen Euro sinnvoll unter Vertrag bringen, Wochenenden eingeschlossen. Finanziert wird ein erheblicher Teil davon auf Kredit, seit Verteidigungsausgaben oberhalb von einem Prozent der Wirtschaftsleistung von der Schuldenbremse ausgenommen sind.
Günther beschreibt, woran das scheitert. Der Soldat schildert dem Beschaffer seinen Bedarf, der Beschaffer übersetzt ihn für die Industrie, die Industrie liefert, was sie verstanden hat. Am Ende steht die Frage, ob das Gelieferte dem entspricht, was gemeint war. Seine Diagnose ist bemerkenswert klar: Das Problem sei weder technologisch noch finanziell, sondern eine Frage der Geschwindigkeit.
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