Diese Woche ging eine Nachricht um die Welt, auf die viele lange gewartet hatten: Die USA und der Iran haben sich auf ein Rahmenabkommen verständigt, die Unterzeichnung fand wohl heute Nacht irgendwie “remote” statt und morgen gibt es dann die Vertragsunterzeichnung in der Schweiz. Die Straße von Hormus soll wieder geöffnet, die Seeblockade aufgehoben werden. Gewisse Player werden davon sicherlich einen wirtschaftlichen Vorteil haben – aber das sind alles nur Nebensächlichkeiten, oder? Nach über hundert Tagen Krieg ist das grundsätzlich eine gute Nachricht – und ich schreibe das als jemand, der diese Region seit Jahren kennt, dort selbst investiert ist und sie, bei allem nüchternen Blick aufs Geschäft, schlicht mag.

Aber ich möchte an dieser Stelle etwas geraderücken, das in der europäischen Berichterstattung fast vollständig untergegangen ist. Denn wer in diesen Tagen nur liest „USA und Iran einigen sich”, der bekommt ein verzerrtes Bild davon, wer in diesem Konflikt eigentlich was getragen hat.

Zur Faktenlage

Die Vereinigten Arabischen Emirate waren keine Kriegspartei. Sie haben den Iran nicht angegriffen, sie haben keine Bomben über Teheran abgeworfen, sie haben in diesem Konflikt niemanden überfallen. Und trotzdem ist kein Golfstaat härter beschossen worden als sie. Nach Angaben des emiratischen Verteidigungsministeriums hat Iran im Laufe des Krieges über 500 ballistische Raketen und Marschflugkörper sowie mehr als 2.200 Drohnen auf das Land abgefeuert – ein Land, dessen einziges „Vergehen” darin bestand, geografisch in der Nähe zu liegen und einen amerikanischen Stützpunkt zu beherbergen.

Dass aus dieser Materialschlacht kein urbanes Inferno wurde, ist kein Zufall und schon gar keine Selbstverständlichkeit. Es ist das Ergebnis einer der modernsten Luftverteidigungen der Welt – gestützt auf amerikanische THAAD- und Patriot-Systeme und, in einem bemerkenswerten Schritt, zeitweise sogar auf eine israelische Iron-Dome-Batterie, die erstmals überhaupt außerhalb der USA und Israels zum Einsatz kam. Die Abfangquote war außergewöhnlich hoch. Aber „außergewöhnlich hoch” heißt eben nicht „lückenlos”: Einzelne Drohnen und Raketen kamen durch, trafen wenige Wohngebäude, Teile eines Ölhafens und auch Teile des Flughafens DXB von Dubai. Es gab Tote – Soldaten der emiratischen Streitkräfte und zivile Gastarbeiter aus einem Dutzend Nationen – und Verletzte. Das redet niemand klein. Aber man muss es einordnen: Aus einem Erstschlag von Hunderten Flugkörpern wurde eine beherrschbare, wenn auch teuer erkaufte Lage.

Und genau das ist der Punkt: Die Emirate haben die Katastrophe nicht durch Glück verhindert, sondern durch Vorbereitung, Disziplin und sehr, sehr teure Hardware

Jeder Abfangflugkörper kostet ein Vielfaches dessen, was eine billige Angriffsdrohne kostet. Wer ein halbes Tausend Raketen und über zweitausend Drohnen vom Himmel holt, der verbrennt im Wortsinn Milliarden – für die Verteidigung eines Konflikts, den er nicht angefangen hat. Das ist die unsichtbare Rechnung dieses Krieges, und sie ist von einem Land bezahlt worden, das in den Schlagzeilen meist nur als Kulisse vorkam.

Worum es jetzt geht

Hier wird es politisch, und ich erlaube mir, deutlich zu werden. Wenn nun ein Abkommen unterzeichnet wird, das dem Iran die Aufhebung von Sanktionen, die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte und die Rückkehr an die Ölmärkte in Aussicht stellt, dann ist das aus Sicht der Deeskalation richtig. Aber es darf nicht dazu führen, dass am Ende ausgerechnet die unbeteiligten Emirate als Verlierer dastehen – beschossen, zur Kasse gebeten, und dann auch noch mit einem Imageschaden bestraft, den ihnen ein fremder Konflikt eingebrockt hat.

Denn der eigentliche Schaden für Dubai war nie militärischer Natur. Die Stadt steht. Die Skyline steht. Was gelitten hat, war die Wahrnehmung von außen – befeuert von Schlagzeilen, die monatelang meist KI-generierte Abfangbilder über dem Burj Khalifa zeigten, und von einer Influencer-Hysterie, die mehr Reichweite als Verstand hatte! Ein Investor, der heute differenziert hinschaut, erkennt: Ein Standort, der einen solchen Dauerbeschuss strukturiert und mit funktionierendem Finanzsektor, laufenden Projekten und offenen Märkten übersteht, hat seine Krisenfestigkeit nicht behauptet, sondern bewiesen.

Meine ehrliche Einordnung zum Standort

Bleiben wir nüchtern. Es ist Hochsommer, und in den VAE ist um diese Jahreszeit ohnehin wenig los. Wer nicht muss, fliegt jetzt nicht in die Wüste – zu heiß, halbleere Hotels, und das Publikum, das bleibt, ist nicht das, an dem sich ein Premiumstandort misst. Das war vor dem Krieg so und ist auch ohne Krieg jedes Jahr so. Aus den ruhigen Sommermonaten lässt sich über die wahre Verfassung dieses Marktes deshalb wenig ablesen.

Die Nagelprobe kommt im Herbst: Wenn ab Oktober die Temperaturen fallen, die Saison anläuft, die Messen, Konferenzen und Käufer zurückkehren – dann, und erst dann, zeigt sich, ob die Deeskalation auch in den Köpfen der internationalen Investoren und Besucher angekommen ist. Ich bin verhalten optimistisch und habe bereits Termine im Oktober geplant – gemeinsam mit einigen Mandanten. Dubai hat in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, wie schnell sich hier Dynamik entfaltet, sobald Unsicherheit weicht. Und der Markt geht nicht aus einer Schwäche in diese Phase, sondern aus einer Position der Stärke: Die Preise waren zwischen 2022 und 2025 um rund 60 Prozent gestiegen, bevor der erste Flugkörper überhaupt startete.

Was bleibt, ist ein Vorbehalt, den ich als Berater nicht weglassen darf: Entscheidend ist nicht, was am 19. Juni unterschrieben, sondern was in den Wochen danach tatsächlich vollzogen wird. Ein Rahmenabkommen ist kein Friedensvertrag, und ein Waffenstillstand, der – wie schon im April und Mai erlebt – wieder kippen kann, ist noch keine Garantie. Wer jetzt handelt, handelt auf eine sich verbessernde, aber noch nicht abgeschlossene Lage hin.

Für mich überwiegt am Ende ein Gedanke: Ein Standort, der zwei- bis dreitausend Mal angegriffen wurde, ohne ins Wanken zu geraten, und der die Rechnung dafür leise und ohne großes Aufheben beglichen hat, verdient kein Misstrauen, sondern Respekt. Die Emirate haben sich in diesem Krieg nichts vorzuwerfen. Sie sollten dafür nicht bezahlen – nicht militärisch, nicht finanziell, und schon gar nicht beim Vertrauen der Welt.