(KI-generiertes Bild)

Wer in diesem Sommer an einem sonnigen Nachmittag auf die Strombörse schaut, erlebt etwas, das noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre: Der Strompreis fällt unter null. Wer in diesem Moment Strom abnimmt, bekommt Geld dafür. Fast 600 Stunden mit negativen Preisen zählte das Jahr 2025 — Tendenz steigend. Genau in dieser Anomalie liegt ein Geschäftsmodell, das gerade dabei ist, vom Spezialistenthema zum Anlagethema zu werden: Batteriespeicher im industriellen Maßstab.

Ich habe heute ein Fachvortrag verfolgt, in dem zwei Praktiker eines Münchner Projektentwicklers zu Wort kamen, der seit 2007 Photovoltaik-Freiflächenanlagen und seit 2020 auch Großspeicher baut und betreibt — rund 20 eigene Projekte mit über 100 Megawattstunden Kapazität stehen inzwischen im Feld. Andreas Jakoubek verantwortet dort Projektstrukturierung und Finanzierung, Christian Klotz die Speicherprojekte von der Planung bis zum Netzanschluss. Die wichtigsten Aussagen habe ich für Sie eingefangen und eingeordnet.

Um zu verstehen, warum Batterien plötzlich Geld verdienen, muss man sich den deutschen Strommarkt ansehen. Über 60 Prozent der Erzeugung stammen inzwischen aus erneuerbaren Quellen, der Löwenanteil aus Sonne und Wind — also aus Quellen, die sich nicht nach der Nachfrage richten. Mittags, wenn die Sonne auf Millionen Solarmodule scheint, gibt es Strom im Überfluss. Morgens und abends, wenn das Land frühstückt und kocht, wird er knapp.

Die durchschnittliche Preiskurve eines Tages sieht deshalb aus wie eine Badewanne: hoch am Morgen, tiefer Einbruch am Mittag, Spitze am Abend. Fachleute tauften dieses Profil vor Jahren „Duck Curve”, weil die Kurve an die Silhouette einer Ente erinnerte. Im Vortrag fiel dazu ein bemerkenswerter Satz: Inzwischen müsse man eher von einer „Canyon Curve” sprechen — der mittägliche Einbruch sei so tief geworden, dass die Ente darin keinen Platz mehr finde.

Für die Volkswirtschaft ist diese Volatilität ein Problem. Für einen Batteriespeicher ist sie die Geschäftsgrundlage. Christian Klotz brachte es nüchtern auf den Punkt: „Je höher diese Volatilitäten sind, umso besser funktioniert der Business Case.”

Ein Kraftwerk aus Schiffscontainern

Wie muss man sich so einen Speicherpark vorstellen? Deutlich unspektakulärer, als der Begriff „Großbatterie” vermuten lässt. Die Anlagen bestehen aus standardisierten 20-Fuß-Containern — denselben Stahlboxen, die auf Containerschiffen um die Welt reisen. Darin stecken Batteriezellen auf Lithium-Eisenphosphat-Basis, zu Paketen und Schränken gebündelt, dazu Klimatisierung und Löschtechnik. Ein Wechselrichter macht aus dem Gleichstrom der Batterie netztauglichen Wechselstrom, eine Trafostation hebt die Spannung auf Netzniveau.

Bemerkenswert ist das Tempo des Fortschritts. Jakoubek berichtete aus der eigenen Einkaufspraxis: „Die ersten Speicher hatten auf diesem Container zwei Megawattstunden. Wir kaufen gerade exakt den gleichen Container mit fünf Megawattstunden.” Das war vor drei Jahren — mehr als eine Verdopplung der Energiedichte bei gleicher Grundfläche. Ein solcher Container kostet nach seinen Worten heute rund 800.000 bis 900.000 Euro, ohne Fundament und Projektentwicklung.

Die Technik gilt als ausgereift: zehn bis zwanzig Jahre Lebensdauer, rund 10.000 Ladezyklen, 80 bis 90 Prozent der eingespeicherten Energie kommen wieder heraus. Auch beim Brandschutz, der bei Lithium-Batterien reflexhaft als Sorge genannt wird, zeigte sich Klotz gelassen: Das Design moderner Systeme verhindere Kettenreaktionen zwischen den Zellen, Container seien brandschutztechnisch getrennt und mit Löschanlagen ausgestattet — und versichert ohnehin.

Wie eine Batterie Geld verdient

Das Kerngeschäft ist im Grunde uralter Handel, nur mit Strom statt mit Gewürzen: günstig einkaufen, teuer verkaufen. Der Speicher zieht mittags Strom aus dem Netz — bei negativen Preisen wird er dafür sogar bezahlt — und gibt ihn abends zur Nachfragespitze wieder ab. Arbitragehandel nennt sich das. Jakoubek zeigte dazu das Live-Monitoring eines Speichers, der erst seit zwei Wochen am Netz ist: Um 13 Uhr beginnt die Anlage zu laden, am Abend verkauft sie. Ein voller Zyklus pro Tag, theoretisch wären bis zu drei möglich — in der Praxis haben sich zwei als Branchenstandard etabliert, weil jeder zusätzliche Zyklus die Batterie verschleißt und der dritte kaum noch Mehrertrag bringt.

Die zweite Säule sind die Regelmärkte. Man kann sie sich als Feuerwehrdienst für das Stromnetz vorstellen: Die Netzbetreiber bezahlen dafür, dass binnen Sekunden Leistung bereitsteht, wenn das Netz aus dem Takt gerät. Kaum eine Technologie kann das so schnell wie eine Batterie.

Und wie kommt der Ertrag beim Eigentümer an? Hier fiel eine Unterscheidung, die man sich merken sollte, weil sie über das Risikoprofil eines Investments entscheidet. Beim Modell „Fully Merchant” gibt der Betreiber seinen Speicher einem Vermarkter, der an den Börsen das Beste herausholt — die Erlöse werden geteilt, typischerweise 90 zu 10. Beim „Tolling” dagegen zahlt der Vermarkter einen langfristigen Festpreis und trägt selbst das Marktrisiko. Übersetzt in die Immobilienwelt: Merchant ist die Umsatzpacht, Tolling die Festmiete. Wer kalkulierbare Ausschüttungen will, mischt beides.

Was macht am Ende den Unterschied zwischen einem guten und einem mittelmäßigen Speicher? Jakoubeks Antwort war unmissverständlich: „Verfügbarkeit ist King. Wenn der Speicher nicht verfügbar ist, weil er ausfällt, dann verdiene ich kein Geld. Vor allem am Wochenende wird mehr Geld verdient — also am Wochenende sollte der Speicher wirklich laufen.”

Das eigentliche Filetstück: der Netzanschluss

Der für mich aufschlussreichste Moment des Vortrags betraf gar nicht die Batterie selbst. Jakoubek: „Man kauft eigentlich nicht nur den Speicher, sondern man kauft auch den Netzanschluss. Und der ist forever.” Netzanschlusskapazitäten sind derzeit der Flaschenhals des gesamten Marktes — es gilt das Prinzip „first come, first served”, und wer einen langfristig gesicherten Anschluss besitzt, hält ein Gut, das nicht altert. Die Batterie kann nach 13 bis 15 Jahren erneuert werden, der Anschluss bleibt. Das erinnert an eine alte Immobilienweisheit: Lage, Lage, Lage — nur dass die Lage hier ein Punkt im Stromnetz ist.

Ehrlich benannt wurden auch die Schattenseiten. Bei den Batteriezellen führt kein Weg an China vorbei, dort sitzen die Weltmarktführer. Die Branche begegnet dem, indem kritische Komponenten wie das Batteriemanagementsystem aus der EU bezogen und Verträge mit europäischen Tochtergesellschaften unter europäischem Gerichtsstand geschlossen werden. Und die Frage, was passiert, wenn zu viele Speicher gebaut werden und die Preisspannen schrumpfen, beantworteten die Fachleute mit einem Verweis auf neue Erlösquellen — allen voran den geplanten Kapazitätsmarkt, der Betreiber künftig allein für die Bereitschaft vergüten soll, ähnlich einem Bereitschaftsdienst.

Was das für Anleger bedeutet

Für Privatanleger öffnet sich dieser Markt gerade erst. Im Vortrag wurde ein geplanter Publikums-AIF vorgestellt — ein klassischer alternativer Investmentfonds mit einer Ziel-Rendite von 6,5 Prozent IRR, rund acht Jahren Laufzeit und einem gemischten Portfolio aus verschiedenen Standorten und Vermarktungsmodellen. Bemerkenswert die offene Aussage des Initiators: Ein Jahr früher wäre eine deutlich höhere Rendite möglich gewesen, der Wettbewerb um gute Projekte hat spürbar zugenommen.

Meine Einordnung: Batteriespeicher sind ein junges, aber inzwischen technisch erwachsenes Segment der Energieinfrastruktur — konzeptionell verwandt mit dem, was wir auf dieser Plattform im Bereich Private Markets und Sachwertbeteiligungen regelmäßig besprechen. Wer sich damit beschäftigt, sollte auf drei Dinge achten: gesicherter Netzanschluss und gesicherte Fläche als Ausschlusskriterium, ein ausgewogenes Verhältnis von Festpreis- und Marktvermarktung sowie belastbare Ertragsprognosen, die nicht nur auf Rückrechnungen der Vergangenheit beruhen. Und wie bei jedem Blindpool gilt: Man zeichnet ein Konzept und ein Management, keine fertigen Anlagen. Wir werden uns in den kommenden Wochen hier intensiver mit diesem Thema beschäftigen.

Wichtig: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Beteiligungen an alternativen Investmentfonds sind unternehmerische Investments mit Verlustrisiken bis hin zum Totalverlust. Frühere Wertentwicklungen und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.