(KI-generiert)

Es war einer dieser Begriffe, die plötzlich überall auftauchten:

ELTIF. Semi-Liquid. Private Markets für Privatanleger.

 

Noch vor wenigen Jahren waren Infrastrukturfinanzierungen, Private Debt oder nicht börsennotierte Unternehmensbeteiligungen fast ausschließlich institutionellen Investoren vorbehalten. Versicherungen, Pensionskassen, große Family Offices. Heute entstehen in Europa in hoher Geschwindigkeit Vehikel, die genau diese Anlagewelt auch für vermögende Privatanleger zugänglich machen sollen. Morningstar spricht inzwischen von einer regelrechten Beschleunigung des ELTIF-Marktes seit der Reform „ELTIF 2.0“ Anfang 2024.

Der Zugang wird demokratischer. Die Risiken nicht.

Der Reiz dieser Produkte ist nachvollziehbar. Viele Anleger suchen seit Jahren nach Alternativen zum klassischen 60/40-Portfolio. Aktien wirken hoch bewertet, Anleihen haben ihren Ruf als Stabilitätsanker teilweise verloren, Immobilien kämpfen mit neuen Zinsrealitäten. Private Markets versprechen dagegen etwas, das psychologisch sehr attraktiv wirkt:

  • geringere sichtbare Volatilität,
  • reale Vermögenswerte,
  • laufende Cashflows und
  • eine gewisse Distanz zum täglichen Börsenlärm.

Nicht weil diese Anlagen automatisch sicherer wären, sondern weil ihre Preise seltener neu festgestellt werden. Doch genau hier liegt einer der entscheidenden Punkte: Die meisten privaten Sachwert-Investments werden eben gerade nicht täglich bewertet. Teilweise nur monatlich, quartalsweise oder noch seltener. Morningstar weist explizit darauf hin, dass Bewertungsmethoden oft proprietär sind und Anleger genau verstehen sollten, wie diese Bewertungen zustande kommen. Das verändert die Wahrnehmung von Risiko erheblich.

Ein Infrastrukturportfolio, das nur einmal im Monat bewertet wird, wirkt zwangsläufig ruhiger als ein börsennotierter Infrastruktur-ETF mit täglichen Kursbewegungen. Die ökonomische Realität dahinter kann trotzdem deutlich volatiler sein, als die Kurve vermuten lässt.

Liquidität bleibt eine Illusion auf Zeit

Besonders interessant ist die Entwicklung in den USA. Dort existiert der Markt für semiliquide Privatmarkt-Fonds bereits deutlich länger als in Europa. Morningstar analysiert inzwischen ein Marktvolumen von mehr als 530 Milliarden Dollar. Und genau dort zeigte sich Anfang 2026, wie fragil das Konstrukt werden kann.

Mehrere Fonds mussten Rückgaben begrenzen, nachdem Anleger gleichzeitig Liquidität wollten. In einem Fall konnten Investoren nur etwa die Hälfte ihres angeforderten Kapitals zurückerhalten, weil die vorgesehenen Rücknahmefenster überschritten wurden.

Das klingt zunächst technisch. Ist es aber nicht. Denn viele Privatanleger lesen „monatliche Rückgabe möglich“ und interpretieren daraus eine Art erweiterten Investmentfonds. Tatsächlich handelt es sich eher um einen kontrollierten Liquiditätsmechanismus. Solange Kapitalzuflüsse stabil bleiben, funktioniert dieses Modell relativ geräuschlos. Unter Stressbedingungen zeigt sich jedoch, dass Sachwerte eben nicht kurzfristig liquidierbar sind.

Was bedeutet das konkret?

Illiquidität ist hier kein Nebeneffekt. Sie ist Teil des Geschäftsmodells. Wer Infrastruktur, Private Credit oder Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen kaufen möchte, tauscht Flexibilität gegen potenziell höhere Erträge und andere Renditequellen.

Das kann sinnvoll sein. Aber nur, wenn Anleger diesen Tausch bewusst eingehen.

Die Gebührenfrage wird oft unterschätzt

Auffällig an der Morningstar-Analyse ist außerdem der sehr deutliche Hinweis auf die Kostenstruktur einiger Produkte. Die Gebühren liegen teilweise erheblich über vergleichbaren börsennotierten Lösungen. Das allein wäre noch kein Problem. Gute aktive Strategien dürfen Geld kosten. Entscheidend ist jedoch die Kombination aus:

  • hohen laufenden Gebühren,
  • Performance Fees,
  • Liquiditätsreserven,
  • und teilweise beträchtlichen Cash-Quoten.

Morningstar verweist darauf, dass semiliquide Private-Equity-Fonds in den USA im Durchschnitt rund 15 Prozent Liquidität halten. Das ist nachvollziehbar, weil Rückgaben bedient werden müssen. Gleichzeitig entsteht dadurch ein sogenannter Cash Drag: Ein Teil des Anlegerkapitals arbeitet nicht dauerhaft im Zielmarkt. Und doch werden viele dieser Produkte weiterhin mit dem Versprechen besonderer Exklusivität vermarktet.

Exklusivität ist oft weniger exklusiv als gedacht

Ein bemerkenswerter Teil der Studie beschäftigt sich mit Portfolioüberschneidungen. Viele Anbieter sprechen von einzigartigen Deal-Zugängen oder proprietären Netzwerken. Die Daten zeigen jedoch, dass zahlreiche Fonds am Ende sehr ähnliche Beteiligungen halten. Das dürfte manche Anleger überraschen.

Denn ein erheblicher Teil des Reizes privater Märkte basiert auf der Vorstellung, Zugang zu Investments zu erhalten, die andere Marktteilnehmer eben nicht besitzen. Wenn sich die Portfolios jedoch zunehmend angleichen, verschiebt sich die eigentliche Frage.

Dann geht es weniger um Exklusivität als um Governance, Kostenkontrolle, Bewertungsdisziplin, Managerqualität und Liquiditätsmanagement. Shannon Kirwin von Morningstar formuliert die Entwicklung indirekt sehr klar: Der Markt wächst schnell, aber viele Strukturen befinden sich noch in einer frühen Phase. Standards entstehen gerade erst.

Der eigentliche Wandel ist kulturell

Vielleicht ist genau das der interessanteste Aspekt dieser Entwicklung. Über Jahre galt die Gleichung: Mehr Vermögen bedeutet automatisch mehr Zugang zu besseren Investments. Private Markets waren Teil dieses Versprechens. Heute wird dieser Zugang breiter verfügbar. Damit verschiebt sich jedoch auch die Verantwortung stärker zum Anleger selbst.

Nicht jede Illiquidität wird belohnt. Nicht jede Infrastrukturstory ist defensiv. Nicht jede niedrige Volatilität ist echte Stabilität. Und möglicherweise liegt genau darin die eigentliche Reifeprüfung dieses neuen Marktes: ob Anleger lernen, zwischen langfristigem Kapital und lediglich schwer verkäuflichem Kapital zu unterscheiden.


 

Lesen Sie hier gerne mehr über Private Markets auf dieser Plattform – Anlageformen abseits der klassischen börsennotierten Varianten werden in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen.