Private Debt (privat vergebene, nicht börsengehandelte Kredite an Unternehmen oder Projekte) ist endgültig im öffentlichen Diskurs angekommen. Was lange als institutionelle Nische galt, beschäftigt inzwischen Aufseher, Medien und Anleger gleichermaßen. Die BaFin warnt vor möglichen „erheblichen“ Verlusten bei ELTIFs, der Private-Credit-Markt wird in überregionalen Zeitungen zunehmend kritisch beleuchtet, und auch international wächst die Sorge, dass illiquide Kreditmärkte unterschätzt werden könnten.
Diese Diskussion ist wichtig. Denn Private Debt ist keine harmlose Zinsalternative. Wer über solche Fonds in nicht börsennotierte Unternehmenskredite investiert, trägt echte Kreditrisiken, Liquiditätsrisiken und Bewertungsrisiken. Genau deshalb halte ich Fonds, die nahezu ausschließlich oder überwiegend in Private Debt investieren, für viele Privatanleger nicht für die erste Wahl. Das bedeutet aber nicht, dass jede Private-Markets-Struktur ungeeignet ist. Im Gegenteil: Entscheidend ist die Konstruktion.
Das Problem liegt nicht nur in der Anlageklasse, sondern in der Verpackung
Private Debt kann in professionellen Portfolios eine sinnvolle Rolle spielen. Die Anlageklasse bietet Zugang zu Kreditprämien, die im klassischen Anleihemarkt nicht immer verfügbar sind. Sie kann laufende Erträge liefern und Portfolios ergänzen. Aber sie ist eben auch illiquide, schwer täglich bewertbar und abhängig von der Bonität häufig nicht börsennotierter Kreditnehmer.
Für institutionelle Anleger ist das handhabbar. Versicherer, Pensionskassen oder große Family Offices verfügen über Risikomanagement, Due Diligence, Liquiditätsplanung und die Möglichkeit, solche Anlagen über lange Zeiträume zu halten. Bei Privatanlegern sieht die Lage anders aus. Hier treffen häufig begrenzte Erfahrung, kürzere Liquiditätsbedürfnisse und eine starke Orientierung an vermeintlich stabilen Anteilspreisen auf ein Produkt, dessen Risiken nicht immer intuitiv erkennbar sind.
Genau an dieser Stelle setzt die BaFin-Kritik an. BaFin-Präsident Mark Branson warnte in seiner Jahrespressekonferenz vor hohen Kosten, schwer einschätzbaren Bewertungen und möglicherweise schwierigen Ausstiegsmöglichkeiten bei Private-Debt-ELTIFs. Er verwies zudem darauf, dass Produkte, die für vermögende oder professionelle Investoren geeignet sind, nicht automatisch auch zu Privatanlegern passen.
Reine Private-Debt-Fonds sind für Privatanleger besonders anspruchsvoll
Aus meiner Sicht sollten Anleger bei reinen oder stark fokussierten Private-Debt-Fonds besonders vorsichtig sein. Das Risiko liegt nicht nur im Ausfall einzelner Kredite. Es liegt auch darin, dass mehrere Risiken gleichzeitig auftreten können: schlechtere Kreditqualität, fallende Bewertungen, steigende Ausfälle, eingeschränkte Rückgaben und eine plötzlich veränderte Marktstimmung.
Hinzu kommt: Private-Debt-Portfolios wirken oft ruhiger, als sie tatsächlich sind. Weil die Kredite nicht täglich an liquiden Märkten gehandelt werden, schwanken die Bewertungen häufig weniger stark als bei börsennotierten Anleihen oder Aktien. Das kann Stabilität suggerieren. In Stressphasen können Bewertungsanpassungen aber gebündelt und verzögert sichtbar werden.
Für Privatanleger ist deshalb aus meiner Sicht nicht die Frage: „Kann ich über einen ELTIF Zugang zu Private Debt bekommen?“ Die bessere Frage lautet: „Ist Private Debt eingebettet in eine robuste, breit gestreute Struktur — oder kaufe ich ein konzentriertes Kreditrisiko in illiquider Verpackung?“
Warum Multi-Asset-Strukturen sinnvoller sein können
Ich habe bereits positiv kommentiert, dass Multi-Asset-ELTIFs hier einen anderen Weg gehen können. Ein Beispiel dafür ist der JPMorgan ELTIFs – Multi-Alternatives Fund. Der Fonds ist ausdrücklich kein reiner Private-Debt-Fonds, sondern ein breit angelegter Multi-Alternatives-Ansatz. Er soll über verschiedene alternative Anlageklassen diversifizieren, darunter Real Assets, Immobilien, Private Credit, Private Equity und liquide beziehungsweise börsennotierte alternative Anlagen.
J.P. Morgan beschreibt den Fonds als Zugang zu einem diversifizierten globalen Multi-Asset-Portfolio innerhalb des ELTIF-Rahmens. Ziel ist nicht die Maximierung eines einzelnen Private-Debt-Exposures, sondern ein langfristig risikoadjustierter Ertrag über mehrere alternative Renditequellen hinweg.
Das ist aus meiner Sicht der entscheidende Unterschied. Wenn Privatanleger überhaupt in private Märkte investieren, dann sollte dies nicht über hoch konzentrierte Einzelthemen geschehen, sondern über breit gestreute Strukturen, bei denen verschiedene alternative Anlageklassen kombiniert und aktiv gesteuert werden.
Wie ist die aktuelle Situation beim JPMorgan Multi-Alternatives ELTIF?
In den letzten Monaten habe ich einige redaktionelle Beiträge zum Multi-Asset-ELTIF von J.P. Morgan veröffentlicht. Wie also schaut es hier konkret aus? Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Zielstruktur und tatsächlicher aktueller Allokation.
Der Fonds befindet sich noch in der Aufbauphase. Laut geprüftem Jahresbericht per 31. Dezember 2025 bestand das Portfolio zu diesem Stichtag fast vollständig aus Liquiditätspositionen beziehungsweise geldmarktnahen Anlagen. Ausgewiesen waren rund 94,65 Prozent in einem JPMorgan Liquidity Fund und rund 5,72 Prozent in einer asiatischen Immobilienstrategie. Ein eigener Private-Credit-Anteil war zum Jahresende 2025 noch nicht sichtbar.
Auch im Quartalskommentar per 31. Dezember 2025 weist J.P. Morgan darauf hin, dass sich der Fonds in der Ramp-up-Phase befindet. Dort wird beschrieben, dass Kapital nach dem ersten Closing in private Investments mit hoher Überzeugungskraft allokiert wurde, die zu den langfristigen Zielallokationen passen. Genannt werden unter anderem eine Transportstrategie und eine APAC-Immobilienstrategie.
Das bedeutet: Wer aktuell über den JPMorgan Multi-Alternatives ELTIF spricht, sollte nicht so tun, als wäre bereits ein voll investiertes Private-Markets-Portfolio vorhanden. Der Fonds ist noch jung, wird aufgebaut und muss seine Zielstruktur erst erreichen. Genau diese Transparenz ist aber positiv: Anleger können sehen, dass das Portfolio nicht sofort voll in illiquide Private-Debt-Positionen investiert wurde.
Was spricht für die Struktur?
Positiv hervorzuheben ist die Breite der Plattform und die Diversifikation. J.P. Morgan Asset Management verweist auf ein global diversifiziertes alternatives Portfolio, und Scope hat dem Multi-Alternatives ELTIF ein initiales Rating von A+ verliehen. J.P. Morgan selbst hebt hervor, dass Scope sowohl die Alternatives-Plattform als auch das diversifizierte Portfolio alternativer Anlagen analysiert habe.
Scope selbst bewertet den Fonds mit (P) a+ (AIF). Das „P“ steht dabei für ein vorläufiges Rating, was wichtig ist: Der Fonds befindet sich noch im Aufbau, und eine lange Live-Historie über einen vollständigen Marktzyklus gibt es naturgemäß noch nicht.
Gerade diese Einschränkung sollte man offen benennen. Ein gutes Rating, ein starker Anbieter und ein durchdachter Multi-Asset-Ansatz ersetzen keine Risikoaufklärung. Sie können aber die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass private Märkte nicht als einseitige Wette, sondern als gesteuerter Portfolio-Baustein eingesetzt werden.
Meine Position
Ich halte Private Debt nicht grundsätzlich für ungeeignet. Aber ich halte viele reine Private-Debt-Produkte für Privatanleger für anspruchsvoll und in manchen Fällen für problematisch. Wer Privatanlegern illiquide Kreditrisiken anbietet, muss sehr klar erklären, was im Stressfall passieren kann: Verluste, Bewertungsanpassungen, Rückgabebeschränkungen und längere Kapitalbindung. Aus meiner Sicht sind breit diversifizierte Multi-Asset-ELTIFs deshalb der plausiblere Weg, sofern Anleger überhaupt Zugang zu Private Markets suchen. Der JPMorgan Multi-Alternatives ELTIF ist dafür ein gutes Beispiel: nicht, weil er risikolos wäre, sondern weil er nicht ein einziges Private-Debt-Thema in den Vordergrund stellt, sondern verschiedene alternative Anlageklassen kombiniert.
Die aktuelle Datenlage zeigt zudem: Der Fonds war per Jahresende 2025 noch nicht in nennenswertem Umfang in Private Credit investiert, sondern befand sich überwiegend in der Aufbauphase. Das relativiert pauschale Aussagen über Private-Debt-Risiken bei diesem konkreten Produkt. Gleichzeitig bleibt richtig: Sobald der Fonds seine Zielstruktur weiter aufbaut, werden auch illiquide alternative Anlagen und möglicherweise Private Credit eine größere Rolle spielen.
Die BaFin-Warnung ist berechtigt. Private Debt ist keine einfache Zinsanlage für jedermann. Reine Private-Debt-ELTIFs sollten im Privatkundengeschäft sehr kritisch geprüft werden. Aber es wäre falsch, alle ELTIFs über einen Kamm zu scheren. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob ein Fonds überhaupt Private Debt enthalten darf. Entscheidend ist, wie hoch der Anteil ist, wie breit das Portfolio diversifiziert wird, wie erfahren der Manager ist, welche Kosten anfallen, wie Liquidität gesteuert wird und ob der Anleger die langfristige Bindung akzeptieren kann.
Meine Haltung ist deshalb klar: Konzentrierte Private-Debt-Produkte gehören nicht unkritisch in Privatanlegerportfolios. Breit diversifizierte Multi-Asset-Strukturen können dagegen ein sinnvollerer und verantwortungsvollerer Zugang zu Private Markets sein — sofern sie transparent, kostenseitig vertretbar und passend zum Anlagehorizont eingesetzt werden.












