Was früher nur institutionellen Investoren vorbehalten war, taucht inzwischen häufiger in Portfolios vermögender Privatanleger auf: Private Equity, Private Credit, Infrastruktur, private Immobilien. Das ist kein Zufall. Große Anbieter, Vermögensverwalter und Plattformen arbeiten seit Jahren daran, private Märkte für kleinere Vermögen zugänglicher zu machen.
KKR zeigt in einer aktuellen Studie, was dabei besonders auffällt
Das Interesse ist hoch, aber das Verständnis hinkt hinterher. Befragt wurden mehr als 1.000 Anleger mit mindestens 500.000 US-Dollar investierbarem Vermögen. Viele verbinden Private Markets mit Diversifikation und Renditechancen, zugleich bleiben Fragen zu Risiko, Liquidität und Struktur offen.
Für Anleger mit 200.000 bis 2 Mio. Euro investierbarem Vermögen ist genau diese Spannung relevant. Nicht weil Private Markets automatisch besser wären. Sondern weil sie zunehmend als „nächste Stufe“ der Vermögensanlage präsentiert werden.
Zugang ersetzt kein Verständnis
Private Markets klingen oft nach Exklusivität. Das ist Teil der Vermarktung. Wer nicht täglich mit Kapitalmärkten arbeitet, hört Begriffe wie Private Equity oder Private Credit und denkt schnell an institutionelle Nähe, Professionalität, vielleicht auch an einen Informationsvorsprung.
Und doch beginnt hier das Problem. Zugang ist noch keine Qualität. Ein Produkt, das früher nur Pensionskassen, Stiftungen oder sehr großen Family Offices offenstand, wird nicht dadurch passend, dass es nun in kleineren Tranchen verfügbar ist.
Die KKR-Studie zeigt, dass selbst Anleger, die bereits investiert sind, viele Begriffe nur teilweise verstehen. Der häufigste Grund gegen eine Anlage ist nicht grundsätzliche Ablehnung, sondern mangelndes Wissen. Das ist bemerkenswert. Es deutet darauf hin, dass der Engpass nicht nur beim Produkt liegt, sondern beim Einordnen.
Was bedeutet das konkret? Wer Private Markets prüft, sollte nicht zuerst fragen, ob er Zugang bekommt. Die bessere Frage lautet: Verstehe ich, was ich aufgebe, wenn ich investiere?
Illiquidität ist kein Detail
Bei börsengehandelten Aktien, ETFs oder Anleihen ist Liquidität selbstverständlich geworden. Sie können meist täglich verkaufen. Vielleicht zu schlechten Kursen, aber Sie kommen heraus. Bei Private Markets ist genau das oft nicht der Fall.
Illiquidität wird in Präsentationen gern als notwendiger Preis für langfristige Chancen beschrieben. Das kann sachlich stimmen. Aber es bleibt ein Preis. Wer Kapital über Jahre bindet, verliert Flexibilität. Bei veränderter Lebensplanung, Scheidung, Immobilienkauf, Unternehmensnachfolge oder Pflegekosten kann diese Flexibilität wichtiger sein als eine theoretisch höhere Rendite.
Auch Regulierer sehen diese Entwicklung mit Aufmerksamkeit. Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA betont regelmäßig den Schutz von Privatanlegern und stabile Märkte als zentrale Aufgaben. Gerade bei weniger transparenten Anlagen sind Bewertung, Liquidität und Vertrieb entscheidende Punkte.
Entscheidend ist daher nicht, ob Illiquidität gut oder schlecht ist. Entscheidend ist, ob sie zu Ihrer Vermögensstruktur passt.
Rendite entsteht nicht durch das Etikett
Private Equity, Private Credit, Infrastruktur und Immobilien werden oft gemeinsam unter „Alternative Investments“ geführt. Das klingt nach einer einheitlichen Anlageklasse. Tatsächlich sind die Unterschiede groß.
Private Equity beteiligt sich meist an nicht börsennotierten Unternehmen. Private Credit vergibt Kredite außerhalb klassischer Bankkanäle. Infrastruktur kann von Energie bis Datenzentren reichen. Private Immobilien wiederum haben eigene Zyklen, eigene Risiken und eigene Bewertungsfragen.
Bain & Company beschreibt im Global Private Equity Report 2025 eine Branche, die reifer, wettbewerbsintensiver und strategisch anspruchsvoller geworden ist. Das ist wichtig, weil frühere Erfolgsmodelle nicht einfach fortgeschrieben werden können. Höhere Zinsen, langsamere Exits und anspruchsvollere Käufer verändern die Bedingungen.
Meiner Einschätzung nach wird genau dieser Punkt im Vertrieb häufig unterschätzt. Anleger hören „privat“ und denken an weniger Schwankung. In Wahrheit sehen sie oft nur weniger tägliche Preisbewegung. Das ist nicht dasselbe wie weniger Risiko.
Der Berater wird wichtiger, aber nicht automatisch besser
Ein zentrales Ergebnis der KKR-Studie ist die Rolle des Finanzberaters. Anleger wenden sich bei Private Markets besonders häufig an ihre Berater. Persönliche Gespräche werden als hilfreichste Informationsquelle genannt.
Das klingt beruhigend. Ist es aber nur teilweise. Denn ein Berater kann aufklären. Er kann aber auch verkaufen. Gerade bei komplexen, schwer vergleichbaren Produkten ist die Abhängigkeit vom Vermittler größer als bei einem liquiden ETF. Gebühren, Rücknahmebedingungen, Bewertungsmethoden und Interessenkonflikte sind für Privatanleger schwerer zu prüfen.
Doch genau hier liegt die praktische Konsequenz. Wer Private Markets angeboten bekommt, sollte weniger auf die Erzählung achten und stärker auf die Struktur. Wie wird bewertet? Wie lange ist das Kapital gebunden? Welche Kosten fallen auf welcher Ebene an? Wer verdient wann? Was passiert, wenn viele Anleger gleichzeitig verkaufen wollen?
Das sind keine misstrauischen Fragen. Es sind erwachsene Fragen.
Private Märkte können sinnvoll sein, aber nicht als Statussymbol
Preqin beschreibt private Wealth-Investoren und ihre Berater als eine wachsende Zielgruppe für Private Markets. Genannt werden Wachstum, Einkommen, Kapitalerhalt und Diversifikation als Motive. Auch BlackRock-Chef Larry Fink argumentiert seit Jahren, dass breiterer Zugang zu Kapitalmärkten für private Anleger wichtiger wird.
Das ist die strategische Perspektive der Anbieter. Sie ist nicht falsch. Aber sie ist nicht deckungsgleich mit Ihrer Perspektive als Anleger.
Für Sie zählt nicht, ob Private Markets ein Wachstumsmarkt für Asset Manager sind. Für Sie zählt, ob eine konkrete Anlage nach Kosten, Risiken, Laufzeit und Transparenz besser in Ihr Vermögen passt als einfachere Alternativen.
Manchmal kann die Antwort ja lauten. Etwa wenn ein großer liquider Vermögensanteil vorhanden ist, der Anlagehorizont lang ist und die private Anlage eine klar definierte Rolle übernimmt. Manchmal lautet die Antwort nein. Besonders dann, wenn das Produkt nur gekauft wird, weil es exklusiv klingt oder weil öffentliche Märkte gerade langweilig erscheinen.
Die eigentliche Frage ist nüchterner
Private Markets werden für vermögende Privatanleger sichtbarer bleiben. Die Anbieter werden bessere Verpackungen bauen, Plattformen werden den Zugang erleichtern, und Berater werden lernen, diese Anlagen stärker in Gespräche einzubauen.
Das muss kein Nachteil sein. Mehr Auswahl ist grundsätzlich wertvoll. Aber Auswahl ohne Urteilskraft ist keine Freiheit, sondern eine neue Form von Abhängigkeit.
Vielleicht ist daher die wichtigste Frage nicht, ob Private Markets in ein modernes Portfolio gehören. Sie lautet schlichter:
Welche Teile Ihres Vermögens dürfen langfristig arbeiten, ohne jederzeit verfügbar sein zu müssen – und welche besser nicht?
Quelle des Beitrags ist unter anderem die Studie „Private Market Curiosity is Rising: Turning Insights into Advisor Action“ von KKR, basierend auf einer Befragung von 1.007 Privatanlegern mit mindestens 500.000 US-Dollar investierbarem Vermögen. Die Umfrage wurde im Zeitraum vom 24. November bis 9. Dezember 2025 durch Artemis Strategy Group durchgeführt und untersucht, wie vermögende Privatanleger Private Markets wahrnehmen, welche Wissenslücken bestehen und welche Rolle Finanzberater in diesem Themenfeld spielen. KKR ist ein globaler Investmentmanager mit Schwerpunkt auf alternativen Anlagen, darunter Private Equity, Private Credit, Infrastruktur und Immobilien.












