Diversifikation gegenüber Aktien und Anleihen ist das eine Verkaufsargument der privaten Märkte. Das zweite, wichtigere wird meist übersehen: Auch untereinander laufen alternative Anlagen erstaunlich unabhängig. Genau das ist der Kern des Multi-Alternatives-Gedankens.
Wenn Anbieter für private Märkte werben, fällt fast immer derselbe Satz: geringe Korrelation zu Aktien und Anleihen. Das stimmt, ist aber nur die halbe Geschichte. Die interessantere Beobachtung liegt eine Ebene tiefer – und sie erklärt, warum es einen Unterschied macht, ob man sich einen einzelnen Alternatives-Baustein ins Depot legt oder mehrere kombiniert.
Die zweite Ebene der Diversifikation
Betrachtet man die langfristigen Korrelationen zwischen den alternativen Anlageklassen selbst, ergibt sich ein bemerkenswertes Bild. Infrastruktur, Transport, private Immobilien, Private Credit, Private Equity und Anlagen wie Nutzholz bewegen sich nicht im Gleichschritt. Nutzholz etwa zeigt zu fast allen anderen Kategorien eine Korrelation nahe null. Transport verhält sich weitgehend unabhängig von Private Equity. Immobilien in Asien folgen anderen Zyklen als Kerninfrastruktur in Europa.
Das ist kein Zufall, sondern Ausdruck unterschiedlicher Treiber. Der Wert eines Containerschiffs hängt an Welthandel und Charterraten, der einer regulierten Versorgungsinfrastruktur an langfristigen, oft inflationsindexierten Verträgen, der eines mittelständischen Kreditportfolios an Ausfallquoten und Zinsniveau. Diese Treiber haben wenig miteinander zu tun. Genau deshalb kann ein Korb aus mehreren Alternatives ruhiger laufen als jede einzelne Position darin.
Warum das gegen die Schlagzeilen-Logik spricht
Für Privatanleger hat das eine praktische Konsequenz. Die mediale Aufmerksamkeit konzentriert sich derzeit stark auf ein einzelnes Segment – Private Debt, also die Kreditvergabe durch Fonds. Wer dieser Aufmerksamkeit folgt und sein privates Engagement auf eine einzige Anlageklasse verengt, verzichtet auf genau den Effekt, der die privaten Märkte im Portfoliokontext attraktiv macht: die Streuung innerhalb der alternativen Welt.
Ein Multi-Alternatives-Ansatz, der mehrere Klassen in einer Hülle bündelt, zielt auf diese doppelte Diversifikation – nach außen gegenüber dem Aktien-Anleihen-Block, nach innen zwischen den Bausteinen. Das ist der eigentliche konzeptionelle Vorzug gegenüber dem Kauf eines einzelnen Private-Equity- oder Private-Debt-Fonds.
So überzeugend die Logik ist, sie verdient zwei Einschränkungen. Erstens sind Korrelationen in privaten Märkten schwerer zu messen als an der Börse, weil bewertet und nicht gehandelt wird – die Werte wirken glatter, als sie es tatsächlich sind, was die Diversifikation optisch schmeichelhafter erscheinen lässt. Zweitens ersetzt Streuung keine Qualität: Fünf mittelmäßig gemanagte Bausteine bleiben fünf mittelmäßige Bausteine. Die doppelte Diversifikation ist ein starkes Argument für die *Struktur* eines Portfolios – nicht für die Nachlässigkeit bei der Auswahl.
Zum Weiterlesen:
„Die Architektur der Resilienz: Warum ‚Alternatives’ in der Iran-Krise den Unterschied machen” und
„8,5 Billionen Euro: Wo das Geld in den privaten Märkten wirklich liegt“.












