Es gibt Gespräche in Family Offices, die es früher so nicht gab. Nicht über Rendite, nicht über die Steuerquote, sondern über die Frage, wie man im Ernstfall binnen weniger Stunden das Land verlässt. Die „Neue Zürcher Zeitung” hat Anfang Juni einen seltenen Blick hinter diese sonst gut gehüteten Türen geworfen (Markus Städeli, 4. Juni 2026). Das Bild, das sie zeichnet, ist erstaunlich nüchtern – und gerade deshalb auch für ein gut situiertes Privatvermögen interessant.
Zwei Risiken, die plötzlich konkret werden
Der anonyme Leiter eines Schweizer Family Office bringt es auf den Punkt: Seine Mandanten benennen heute zwei Extremrisiken so konkret wie nie zuvor – einen Krieg zwischen China und den USA und einen Kollaps des Finanzsystems. Christian Kälin, dessen Firma Henley & Partners Vermögende bei der Beschaffung von Aufenthaltsrechten und Pässen berät, beschreibt eine Nachfrage „so hoch wie noch nie”. Wohnsitze und Pässe in Ländern, die als sichere Häfen gelten, fungieren dabei als eine Art Versicherung.
Drei Sorgen treiben diese Klientel laut Kälin um: die Erfahrung, dass selbst Rechtsstaaten in der Pandemie auf dem Verordnungsweg Grenzen schlossen und Zwangsmaßnahmen erließen; die wachsende Angst vor sozialen Unruhen, gerade in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA; und die Möglichkeit eines Krieges, der nicht mehr nur in Osteuropa oder Nahost denkbar erscheint, sondern auch in Asien. Bemerkenswert: Die USA haben in dieser Wahrnehmung als sicherer Hafen an Attraktivität verloren.
Die Werkzeuge: Wohnsitz, Gold – und ein wenig Bitcoin
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